Während Corona haben sich viele Menschen neue Hobbies zugelegt. Ich habe begonnen Schmetterlinge zu züchten – mehr aus Zufall, nachdem ich eines Tages Raupen auf unserem Dill entdeckt hatte. Zuerst verfluchte ich die kleinen gefrässigen Dinger, dann aber wurde mir klar, dass es sich um Raupen des wunderschönen Schwalbenschanz handelte.
Ich recherchierte und fand heraus, dass man Schmetterlinge in einem sogenannten Aerarium züchten kann. Wobei – züchten ist der falsche Begriff. Eigentlich geht es darum, Raupen und später Puppen vor Fressfeinden zu schützen. Davon gibt es nämlich viele! Der Grossteil der Raupen und Schmetterlingspuppen fallen im Verlauf ihrer Entwicklung Vögeln, Wespen, Ameisen, Katzen und anderen Tieren zum Opfer. Sie erleben gar nie ihr letztes Stadium als Schmetterling.
Deshalb sorge ich nun rund ums Haus für Futterquellen und sammle einen Teil der Raupen ein, um ihnen im Aerarium einen sicheren Ort für ihre wundersame Verwandlung zum Schmetterling zu bieten.
Meine wichtigste Erkenntnis aus diesem neuen Hobby: Die Entwicklung vom Ei zum flugfähigen Falter ist magisch, faszinierend und voller Hindernisse!
Das kaum stecknadelgrosse Ei enthält bereits den gesamten Bauplan für die Raupe, die Puppe und den Schmetterling. Insgesamt dreimal verwandelt sich das kleine Wesen komplett: aus dem Ei schlüpft eine winzig kleine Raupe. Sie frisst wie ein Weltmeister und häutet sich dabei mehrmals. Die Verpuppung der Raupe ist ein Spektakel für sich. In der Puppe löst sich die Raupe beinahe ganz auf. Aus dieser «Suppe» formt sich in der Puppe der fertige Schmetterling. Je nach Art und Jahreszeit schlüpft daraus nach wenigen Wochen oder nach mehreren Monaten ein Schmetterling.
Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, so gab es mehrere Phasen, die sich so ähnlich angefühlt haben: wie eine umfassende «Ver-Wandlung». Daraus leite ich eine weitere Erkenntnis ab: Obwohl wir Menschen durchschnittlich 70 Kilogramm und Schmetterlinge gerade mal 0.03 Gramm auf die Waage bringen, haben wir mehr gemeinsam als wir meinen.
Die Natur macht es uns vor:
Alles Lebendige wandelt sich ständig und nichts bleibt, wie es ist. Alles fliesst - mal langsam und zart, mal schnell und wild, und auch mal zerstörerisch. Ich lade im Blog «Lebensthemen» dazu ein genauer hinzuschauen und darüber nachzudenken, was wir als Mensch und als Gesellschaft daraus lernen können.


